7:40 liege ich auf der Pritsche meines Physio und mir tat eigentlich schon seit Tagen nix mehr weh. Eigentlich seit dem Tag, an dem ich erfuhr, daß der Nierenstein ein ISG ist und der Krebs eine Blockade... Na ja, aber auf die Physio freu ich mich. Weil: der kennt jeden Muskel meines Körpers und der macht immer, daß wenn nix mehr geht, alles wieder geht.
Als ich 20 min später wieder aufstehe, habe ich das Gefühl, eine Dampfwalze hätte mich überrollt. Und immer schön warmhalten (Oma) - jaaaaaa jaaaa!
Das Wetter ist ein Traum: Sonne satt den ganzen Tag und 15 Grad. Mein Trainingsplan zeigt mir heute ein rotes "Must do" - Kästchen: 60 min Laufen.... Aber ich hab so Lust aufs Rad - und ich habe mir ja gestern durch die Can do-Einheit einen Bonus erarbeitet. Außerdem ist es sicher sowieso klüger, jetzt so 2 Tage vor dem Wettkampf nicht mehr groß zu laufen. Also zieh ich den Joker - die Radeinheiten am Wochenende müssen ja ausfallen - mach ich sie eben jetzt.
Kurz nach 4 rolle ich los, schön warm eingepackt, ich fahre die Strecke, auf der ich vor etwa 6 Monaten mein Rad eingerollt bin. Fahre vorbei an der Stelle,an der ich zum ersten Mal in die Aero-Position bin und erinnere mich, wie unsicher ich damals doch war. Ja, hat sich wohl viel getan, in den letzten 8 Monaten.
Heute aber waren es dann knapp 2,5 Stunden auf dem Blitz durchs herbstliche Brandenburg - schön, und zum Schluß ein bischen kalt! Morgen fahre ich nach Berlin. Erst zu Birgit und dann gehen wir abends gemeinsam zum Reinhard Mey-Konzert ins Tempodrom, für das wir schon seit über einem Jahr Karten haben. Und am Sonntag ist um 12:30 Uhr am Schloss Charlottenburg Start eines 10km-Laufes. Promineten Besetzung: Dieter Baumann und - was mich besonders freut: Jan Frodeno und Daniel Unger - Triathletinnen-Herz, was willst Du mehr ;o)
Freitag, 10. Oktober 2008
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Ein Lauf für die Sinne

Die Trainingseinheit heute steht in einem blauen Kästchen, das heißt nicht "must do" sondern "can do". Und weil der Tag so schön mit Sonnenschein anfing, hatte ich Lust auf diesen kurzen lockeren Lauf a 45 min. Außerdem werden beide Ausdauer-Trainingseinheiten am Wochenende wegfallen, wegen des Konzertes am Samstag und des 10er Wettkampfes am Sonntag. Also "can ich erst recht do" ;o)
Pünktlich zum Feierabend ist dann jedoch die Sonne verschwunden, der Himmel mit dicken Wolken verhangen, die dann während ich unterwegs bin, auch noch leichten Nieselregen hervorbringen.
Und trotzdem war es ein rundum schöner Lauf. Die neue Rosenstolz in den Ohren, Niesel im Gesicht, die Gedanken weit weg... Wer braucht schon die Sonne am Himmel, wenn sie im Herzen scheint!
Und trotzdem war es ein rundum schöner Lauf. Die neue Rosenstolz in den Ohren, Niesel im Gesicht, die Gedanken weit weg... Wer braucht schon die Sonne am Himmel, wenn sie im Herzen scheint! Jetzt schnell duschen und dann zum nächsten Termin im Auftrag des Schlaubetal-Marathon.
Mittwoch, 8. Oktober 2008
(Im) Wasser marsch...
Heute war Einweisung aller Helfer des Schlaubetal-Marathons. Die Helfer, speziell die Leute an den Versorgunsstellen wurden über die Bedürfnisse der Läufer aufgeklärt, na ja, es wird schon werden. Im Großen und Ganzen wirds schon etwas perfekter, als bei der ersten Auflage im letzen Jahr. Dank meinen neuen Erkundungen mit SportTracks und Google-Earth konnte ich die Laufstrecke samt Verpflegungspunkten via Beamer an die Wand werfen. Erst nach 19 Uhr sind wir dann fertig, ich hab Hunger, gönne mir beim Bäcker noch ein Stück Quarkkuchen und gegen 19:30 Uhr stehe ich endlich am Beckenrand.
Mein Trainigsplan sagt 60 - 90 min Schwimmen - ok, dann mach ich das einfach mal. Einfach eben so, einfach nur schwimmen, so sechzig bis neunzig Minuten... Die ersten zehn sind irgendwie ätzend und ich schaue dauernd auf die große Hallenuhr. Der Rest ist ein Selbstläufer.... Schwimmen, besser gesagt abtauchen - herrlich, schön! Die Gedanken baden schicken - besser geht fast nicht. Ich bin 120 Bahnen a 25 m geschwommen, macht summa summarum 3000 m.
Irgendwie war das so richtig geil!
Mein Trainigsplan sagt 60 - 90 min Schwimmen - ok, dann mach ich das einfach mal. Einfach eben so, einfach nur schwimmen, so sechzig bis neunzig Minuten... Die ersten zehn sind irgendwie ätzend und ich schaue dauernd auf die große Hallenuhr. Der Rest ist ein Selbstläufer.... Schwimmen, besser gesagt abtauchen - herrlich, schön! Die Gedanken baden schicken - besser geht fast nicht. Ich bin 120 Bahnen a 25 m geschwommen, macht summa summarum 3000 m.
Irgendwie war das so richtig geil!
Dienstag, 7. Oktober 2008
Mein Plan B beginnt
"Beginnt" ist falsch. Er begann ja eigentlich schon. Und zwar gestern. Mit einem Ruhetag. Den habe ich gemeinsam mit Bianka und Jörg genutzt, um noch diverse Dinge für unseren Marathon zu besprechen, ich war dann erst gegen 21 Uhr zu Hause.
Heute also Tag 2 des Planes B. Doch zuvor noch ein paar erklärende Worte: das B steht ja meistens für... die zweite Möglichkeit, wenn Plan A nicht aufgeht. In meinem Falle steht das B aber für BERTLICH. Bertlich deshalb, weil ich denke, daß es häßlich genug ist, um sich die Kante zu geben, nicht feiern zu müssen, wenn Zuschauer am Straßenrand brüllen: "SUPER, KLASSE" und Du weißt, Du hast auf Deine Endzeit schon 2 min eingebüßt... Nee, sowas will ich nicht. Jetzt nicht. Ich will Bestzeit laufen und das auch nur, wenn ich weiß, daß ich`s drauf hab. Und dazu brauch ich nur mich selbst, ne flache Strecke und ne halbwegs gut funktionierende Zeitmessung.
Also doch Plan B! Wenn ich merke, daß ich´s nicht drauf hab, werd ich`s nicht versuchen. Ich will eine Bestzeit, ohne das sie wehtut. PUNKT Und wenn es nicht geht, dann eben im nächsten Jahr. Und in Bertlich will ich keinen Genussmarathon laufen. Dann wirds eben nur ein halber. Aber genug geschwafelt.
Die erste Trainingseinheit des Planes für Triathleten ging mal gleich hefigst zur Sache: nach dem Einlaufen 5 x 2000 m Marathontempo - 10 bis 20 sec. Das ist hammerhart, die -20 entsprechen ja meinem 10er WK-Tempo. Was solls, ich versuchs, schaffe alle Intervalle in -10 bis -14, wäre auch mit reinem M-Tempo zum Auftakt zufrieden gewesen. Aber es war echt hart, da einige Hügel mit dabei waren. Am Ende knapp 18 Kilometer und das Gefühl: Gutes Training heute.
Die erste Trainingseinheit des Planes für Triathleten ging mal gleich hefigst zur Sache: nach dem Einlaufen 5 x 2000 m Marathontempo - 10 bis 20 sec. Das ist hammerhart, die -20 entsprechen ja meinem 10er WK-Tempo. Was solls, ich versuchs, schaffe alle Intervalle in -10 bis -14, wäre auch mit reinem M-Tempo zum Auftakt zufrieden gewesen. Aber es war echt hart, da einige Hügel mit dabei waren. Am Ende knapp 18 Kilometer und das Gefühl: Gutes Training heute.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Mein Schlaubetal
Mit Bianka an der Kieselwitzer Mühle bei km 11Der Countdown für die zweite Auflage unseres Schlaubetal-Marathons läuft. Noch zwei Wochen bis zum großen Tag. Grund für uns heute, noch ein letztes Mal die gesamte Strecke abzulaufen- bzw. zu fahren. Bianka brauchte einen Langen Lauf, mir war es egal, so teilten wir beide uns die Strecke. Teilweise hatten wir dann unterwegs noch Begleitung von Matti, Werner und Anett.
Das Schlaubetal ist im Moment gerade voll damit beschäftigt, sich für den 18. zu rüsten und färbt langsam die Blätter der Laubwälder in warme Rot- und Gelbtöne. Zum rechten Zeitpunkt wird dann hoffentlich alles golden sein.
Mit Werner fahre ich stets neben Bianka her, doch ein Blick auf die Uhr sagt mir, daß Anett bereits an der Bremsdorfer Mühle auf uns wartet. Eine schöne Gelegenheit, mal kurz auszubrechen und aufzudrehen, mir mit dem MTB mal die Kante zu geben. Teilweise geht es recht heftig zu, so über Wurzeln, Löcher, Schlamm. Da ich aber keinen Helm aufhabe, bin ich doch etwas vorsichtig an manchen Stellen, auch dort, wo die Schlaube nur 10 cm am schmalen Pfad entlangfließt. Es macht eine irre Laune, ich werde das unbedingt ins Wintertraining einbauen. Vielleicht wage ich mich ja dann irgendwann doch noch mal an einen Cross-Tri- oder Duathlon.
Zauberhaftes SchlaubetalGemeinsam mit Anett warten wir dann auf Bianka und Werner, und nun geht es für 15 km zu Viert durchs Schlaubetal. Dies ist auch wegen des schönen Wetters heute bei Wanderern sehr beliebt und es sieht zum Schießen aus, wie Bianka begleitet von 3 Radfahrern durch die Gegend rennt. Wir flachsen dann immer, wenn wir an Leuten vorbeikommen sowas wie: "Eigentlich ist sie im geschlossenen Vollzug, aber das ist Teil der Therapie - Agressionsabbau" und finden das lustig.
Anett verläßt uns dann in Drei Tannen, Werner an km 30 in Fünfeichen. Nette Ortsnamen, oder?!
Bei Km 34 tauschen wir dann die Rollen, Bianka geht wohlverdient aufs Rad und ich nehme die letzten 8 Km unter die Füße. Geil wars wiedermal.
Freitag, 3. Oktober 2008
3. Oktober - ein Datum, 3 Gründe zum Schreiben
Ja, der erste Grund, heute hier was reinzukritzeln, ist der, daß ich genau an diesem Tag vor 3 Jahren morgens gegen 1 Uhr eine Zigarette ausdrückte, und dann ins Bett ging. Als ich dann gegen 10 nach dem Frühstück wie gewohnt mit Kaffee und Aschenbecher zum PC gegangen bin, um im Forum zu schnökern und gemütlich dabei eine zu rauchen, hab ich mir so gedacht: NÖ! Diese Zigarette rauche ich nicht. Und das hab ich bis heute nicht getan.
Der zweite Grund ist mein Saisonabschluß im Multi-Sport-Wettkampfgeschehen. Nach einer kurzen Nacht bin ich heute Morgen ins 2 Autostunden entfernte Schönborn bei Finsterwalde gefahren. Ein kleiner Duathlon, bei dem alles ein bischen anders ist. Also einfacher. Aber trotzdem schön. Und herzlich eben. Ich mag solche Wettkämpfe.
Bei der Anmeldung gibt es zunächst kleine Pappkärtchen, auf denen die Startnummer steht. Also, früher hätte ich gesagt: Zigarettenschachtelgroß. Jaaaaa, früher. Jetzt überleg ich gerade, was dem nahekommt, so aus Sportlersicht. Geltütchengroß - ja, das passt. Das Kärtchen muß man irgendwie mit sich führen und dann abgeben. Blos wann???? Na ja, wir werden sehen.
Die Wechselzone besteht aus 3 rostigen Fahrradständern vom ehemaligen Konsumgeschäft des Dorfes. Der Rest der Räder lehnt am Zaun, wer früh da ist, hat den Luxus, sein Rad "profimäßig" an das Geländer, besser gesagt die Absperrstange des kleinen Fußballplatzes - also die Stange, wo die Nachbarn mit den Bierbäuchen und den Bierflaschen in der Hand drauflehnen, um wiederum ihre Nachbarn vom FC Traktor Kleinkleckersdorf anfeueren. Also die Anlehnstange für Fußballfans - ich glaube, jeder weiß, was gemeint ist. Solch einen Platz habe ich ergattert - der erste Sieg heute.
Siegerehrung ala Schönborn ;o)
Es ist schweinekalt, als ich morgens losfahre, zeigt das Thermometer 4 Grad und es wird noch wahnsinnig in die Höhe klettern. 9 Grad werden es während des Wettkampfes sein. Und es bläst ein eisiger Wind. Ich entscheide mich für meinen Einteiler mit Kurzarm, Radweste, Arm- und Beinlingen. Die Laufstrecke ist crossig, hier bereue ich fast ein wenig die Beinlinge, später werde ich froh sein, sie anzuhaben. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Rennen angehen soll, habe sowas ja noch nie in der Länge gemacht. Den 10er Auftaktlauf volles Rohr trau ich mich nicht, immerhin folgen 30 mir unbekannte Radkilometer und anschließend nochmal 5 zu Fuß. Also laufe ich angestrengt, aber nicht am Limit. Leider starten nur 4 Frauen auf der langen Distanz, die erste ist gleich nach dem Start weg, die Zweite läuft etwa 10 m vor mir. Da häng ich mich erstmal ran, aber nach etwa 3 Kilometern gehe ich dann doch vorbei. Nun hängt sie sich an mich und kurz vor der Wechselzone dreht sie nochmal voll auf. Nee, ich laß mich nicht herausfordern, der Wettkampf ist noch lang. Nach 47:27 bin ich an meinem Rad wechsel rasch die Schuhe, Helm und Brille auf und bin noch vor meiner Konkurentin auf der Radstrecke. Die ersten Kilometer machen einen Heidenspaß, klar, mir ist ja auch noch vom Laufen warm. An Km 7 an einer Kurve sehe ich, daß meine Verfolgerin direkt hinter mir ist. Nach einem kurzen netten smalltalk dreh ich auf - ihre Laufleistung entspricht meiner, also hab ich nur auf dem Rad die Chance, ein-zwei Minuten herauszufahren. Es geht ja immerhin um den 2. Platz. Der Gedanke, noch von Hinten aufgerollt zu werden, kommt mir komischerweise gar nicht erst.
Bereits an der Wendestelle nach 15 Kilometern habe ich knapp 700 m herausgefahren. Das dürfte genug Polster sein für den 5er im Anschluß. Nun blos nicht nachlassen. Langsam bin ich komplett durchgefroren und der eisige Wind macht auch das Fahren nicht angenehmer. Meine Arme sind kalt, meine Hände komischeweise nicht. Auch der Körper ist warm - aber die Füße, die spüre ich kaum noch vor Kälte. Nach 30 Kilometern und 58:15 bin ich wieder an meiner Anlehnstange ;o). Dies ist die schnellste "Frauen-Radzeit", sogar 3 sec schneller als die der späteren Siegerin. Aber die läuft eben nochmal in einer anderen Liga.
Rad abstellen, Helm wegschmeißen, Sonnenbrille auch, Schuhe wechseln, alles geht fix. Und nun mache ich die Erfahrung meines Lebens: Ein Lauf mit tiefgekühltem Fahrgestell. Meine Beine sind steif vor Kälte, meine Füße, speziell die Zehen völlig taub. Es ist hammerhart und brauch genau bis zum Wendepunkt nach 2,5 km, bevor alles an mir auf Betriebstemperatur ist.
Für die letzten, sehr crossigen 5 km brauch ich dann nochmal 25:29 und mit einer Gesamtzeit von 02:11:11 werde ich Gesamtzweite und AK-Erste. Schade, daß nur 4 Frauen dabei waren, aber weil wir uns bei der Siegerehrung als Erste die Preise aussuchen durften, ist das vielleicht auch besser so. Der Sprecher ermahnte uns dann nämlich, wir wären nicht im Supermarkt - weil es so lange dauerte... ;o) Ich nenne nun eine Duftlampe mein Eigen, genau das Richtige für "nach dem Sauwettertraining auf der Couch gemütlich machen" an langen Herbst- und Winterabenden.
Das große Grabschen im Supermarkt ;o)
Der Dritte Grund, was zu schreiben heute, ist das Datum selbst - und der Feiertag, der auf dieses Datum fällt. Das ich im Osten Deutschlands zu Hause bin, das dürfte ja bekannt sein. Ich habe die Wende damals nicht herbeigesehnt, ich war eine der Menschen hier, die es nicht vermissten, überall hinreisen zu können, ich hatte auch keine Verwandschaft im Westen. Mir ging es rundherum gut, ich hatte einen sicheren Arbeitsplatz, mein Kind war betreut während ich arbeitete und es war klar, das es nach der Schule eine Ausbildung bekommt.
Ja, dann kam alles anders. Mir geht es immer noch gut, ich habe Paris gesehn, Lissabon, Bangkok, Rangun, Köln, Bremen, München, Hamburg. Meine mittlerweis zwei Kinder haben eine Ausbildung. Aber das, was alles bereichert, sind die Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte. Viele persönlich, einige noch nicht, obwohl ich das Gefühl habe, sie schon gut zu kennen. Das hat der 3. Oktober gemacht.
Und darauf trink ich jetzt nen Tee! Schönen Feiertag noch!
Der zweite Grund ist mein Saisonabschluß im Multi-Sport-Wettkampfgeschehen. Nach einer kurzen Nacht bin ich heute Morgen ins 2 Autostunden entfernte Schönborn bei Finsterwalde gefahren. Ein kleiner Duathlon, bei dem alles ein bischen anders ist. Also einfacher. Aber trotzdem schön. Und herzlich eben. Ich mag solche Wettkämpfe.
Bei der Anmeldung gibt es zunächst kleine Pappkärtchen, auf denen die Startnummer steht. Also, früher hätte ich gesagt: Zigarettenschachtelgroß. Jaaaaa, früher. Jetzt überleg ich gerade, was dem nahekommt, so aus Sportlersicht. Geltütchengroß - ja, das passt. Das Kärtchen muß man irgendwie mit sich führen und dann abgeben. Blos wann???? Na ja, wir werden sehen.
Die Wechselzone besteht aus 3 rostigen Fahrradständern vom ehemaligen Konsumgeschäft des Dorfes. Der Rest der Räder lehnt am Zaun, wer früh da ist, hat den Luxus, sein Rad "profimäßig" an das Geländer, besser gesagt die Absperrstange des kleinen Fußballplatzes - also die Stange, wo die Nachbarn mit den Bierbäuchen und den Bierflaschen in der Hand drauflehnen, um wiederum ihre Nachbarn vom FC Traktor Kleinkleckersdorf anfeueren. Also die Anlehnstange für Fußballfans - ich glaube, jeder weiß, was gemeint ist. Solch einen Platz habe ich ergattert - der erste Sieg heute.
Siegerehrung ala Schönborn ;o)Es ist schweinekalt, als ich morgens losfahre, zeigt das Thermometer 4 Grad und es wird noch wahnsinnig in die Höhe klettern. 9 Grad werden es während des Wettkampfes sein. Und es bläst ein eisiger Wind. Ich entscheide mich für meinen Einteiler mit Kurzarm, Radweste, Arm- und Beinlingen. Die Laufstrecke ist crossig, hier bereue ich fast ein wenig die Beinlinge, später werde ich froh sein, sie anzuhaben. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Rennen angehen soll, habe sowas ja noch nie in der Länge gemacht. Den 10er Auftaktlauf volles Rohr trau ich mich nicht, immerhin folgen 30 mir unbekannte Radkilometer und anschließend nochmal 5 zu Fuß. Also laufe ich angestrengt, aber nicht am Limit. Leider starten nur 4 Frauen auf der langen Distanz, die erste ist gleich nach dem Start weg, die Zweite läuft etwa 10 m vor mir. Da häng ich mich erstmal ran, aber nach etwa 3 Kilometern gehe ich dann doch vorbei. Nun hängt sie sich an mich und kurz vor der Wechselzone dreht sie nochmal voll auf. Nee, ich laß mich nicht herausfordern, der Wettkampf ist noch lang. Nach 47:27 bin ich an meinem Rad wechsel rasch die Schuhe, Helm und Brille auf und bin noch vor meiner Konkurentin auf der Radstrecke. Die ersten Kilometer machen einen Heidenspaß, klar, mir ist ja auch noch vom Laufen warm. An Km 7 an einer Kurve sehe ich, daß meine Verfolgerin direkt hinter mir ist. Nach einem kurzen netten smalltalk dreh ich auf - ihre Laufleistung entspricht meiner, also hab ich nur auf dem Rad die Chance, ein-zwei Minuten herauszufahren. Es geht ja immerhin um den 2. Platz. Der Gedanke, noch von Hinten aufgerollt zu werden, kommt mir komischerweise gar nicht erst.
Bereits an der Wendestelle nach 15 Kilometern habe ich knapp 700 m herausgefahren. Das dürfte genug Polster sein für den 5er im Anschluß. Nun blos nicht nachlassen. Langsam bin ich komplett durchgefroren und der eisige Wind macht auch das Fahren nicht angenehmer. Meine Arme sind kalt, meine Hände komischeweise nicht. Auch der Körper ist warm - aber die Füße, die spüre ich kaum noch vor Kälte. Nach 30 Kilometern und 58:15 bin ich wieder an meiner Anlehnstange ;o). Dies ist die schnellste "Frauen-Radzeit", sogar 3 sec schneller als die der späteren Siegerin. Aber die läuft eben nochmal in einer anderen Liga.
Rad abstellen, Helm wegschmeißen, Sonnenbrille auch, Schuhe wechseln, alles geht fix. Und nun mache ich die Erfahrung meines Lebens: Ein Lauf mit tiefgekühltem Fahrgestell. Meine Beine sind steif vor Kälte, meine Füße, speziell die Zehen völlig taub. Es ist hammerhart und brauch genau bis zum Wendepunkt nach 2,5 km, bevor alles an mir auf Betriebstemperatur ist.
Für die letzten, sehr crossigen 5 km brauch ich dann nochmal 25:29 und mit einer Gesamtzeit von 02:11:11 werde ich Gesamtzweite und AK-Erste. Schade, daß nur 4 Frauen dabei waren, aber weil wir uns bei der Siegerehrung als Erste die Preise aussuchen durften, ist das vielleicht auch besser so. Der Sprecher ermahnte uns dann nämlich, wir wären nicht im Supermarkt - weil es so lange dauerte... ;o) Ich nenne nun eine Duftlampe mein Eigen, genau das Richtige für "nach dem Sauwettertraining auf der Couch gemütlich machen" an langen Herbst- und Winterabenden.
Das große Grabschen im Supermarkt ;o)Der Dritte Grund, was zu schreiben heute, ist das Datum selbst - und der Feiertag, der auf dieses Datum fällt. Das ich im Osten Deutschlands zu Hause bin, das dürfte ja bekannt sein. Ich habe die Wende damals nicht herbeigesehnt, ich war eine der Menschen hier, die es nicht vermissten, überall hinreisen zu können, ich hatte auch keine Verwandschaft im Westen. Mir ging es rundherum gut, ich hatte einen sicheren Arbeitsplatz, mein Kind war betreut während ich arbeitete und es war klar, das es nach der Schule eine Ausbildung bekommt.
Ja, dann kam alles anders. Mir geht es immer noch gut, ich habe Paris gesehn, Lissabon, Bangkok, Rangun, Köln, Bremen, München, Hamburg. Meine mittlerweis zwei Kinder haben eine Ausbildung. Aber das, was alles bereichert, sind die Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte. Viele persönlich, einige noch nicht, obwohl ich das Gefühl habe, sie schon gut zu kennen. Das hat der 3. Oktober gemacht.
Und darauf trink ich jetzt nen Tee! Schönen Feiertag noch!
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