Montag, 8. September 2008

Ich bin 96 - Mein Triathlon-Saisonabschluß

Ausgerechnet ich, aus dem Fernen Osten angereist, bekomme die Startnummer 96 verpasst. Und das bei einem Triathlon-Fest, bei dem sich die 96er bei jedem 2. Wort der Lautsprecherdurchsage selbst feiern. Lustig find ich das schon, und deshalb... man kann es drehn und wenden - es bleibt dabei... ;o)

Am Samstag gegen Mittag sind wir nach 3 Stunden Autofahrt in Hannover. Ins Hotel dürfen wir schon hinein, ein kleines, etwas spartanisch eingerichtetes, aber deshalb auch billiges Hotel, mehr brauch ich nicht. Das Rad darf heute Nacht direkt neben der Dusche in meinem Zimmer schlafen, bei welchem 4-Sterne-Hotel wäre das schon möglich?
Bei der Startnummernausgabe am Samstag treffen wir wie verabredet Meike, Jörn und Forumsbaby Finja, was für eine Wiedersehensfreude. Sie laden uns nach Hause zu Kaffee und lecker Erdbeerkuchen ein, danach bummeln wir noch ein wenig durch den Stadtwald und die Einkaufspassagen. Hier nutze ich gleich die Gelegenheit, mir endlich einen Klettergurt und Kletterschuhe zu kaufen.
Wenn man aus unserem Hotel herausfällt, fällt man direkt vor einen kleinen Italiener, also nicht dem Italiener als solches, sondern einem kleinen Restaurant. Dort verabreden wir uns mit Silke aus dem RunnersWorld-Forum. Es wird ein netter Abend, hat mich sehr gefreut Silke, Dich kennenzulernen.
Der nächste Morgen - irgendwie hab ich so gar keine Lust auf Triathlon, nach dem Hotelfrühstück ist`s ein wenig besser, wir machen uns auf zum Maschsee, der ja nur etwa 800 m entfernt vom Hotel liegt, um Jörn bei seinem Debüt anzufeuern. Dank Meike lerne ich dort auch noch Odo und den Hiddestorfer kennen, das hat mich sehr gefreut. Nachdem Jörn nach seinem Debüt erfolgreich im Ziel ist, gehts für uns zurück ins Hotel, noch eine halbe Stunde die Beine hochpacken, dann umziehen und samt Ausrüstung zum Check In zu pilgern. Die späte Startzeit um 14:30 Uhr hat zur Folge, daß ich nochmal Hunger bekomme, die Leistungskurve irgendwie auf Siesta steht, und ich so gar keine Lust habe, jetzt hier noch irgendwie ins Wasser zu steigen und was sonst noch so kommen soll. Aber wenn wir schon mal da sind - richten wir uns eben in der Wechselzone ein. Wie auch schon in Hamburg - gelbe Postkisten, ich mag sie nicht. Überhaupt erinnert das ganze Flair so ein wenig an Hamburg, ich denke, der Teppich, die Zäune und die Kisten waren die Selben.

Die Wechselzone ist eingerichtet, und immer noch ist eine Menge Zeit. Wir bummeln ein wenig über den Platz vor dem See, die 2 Stände der Triathlon-Messe (haha) interessieren uns zum Saisonende eher weniger.
So setzten wir uns ein wenig auf die Mauer am See, noch ein bischen abspannen, zum Warmmachen ist es noch zu zeitig und in ein paar Minuten erfolgt die Wettkampfeinweisung per Lautsprecher. Verträumt schaue ich in die Wellen - als mir plötzlich dieser Anblick das Blut in den Adern gefrieren ließ....


Gefühlte Größe: 7 m - geschätzte Größe 1,50
Ok, das mit dem Blut in den Adern ist übertrieben, aber so ein bischen erschrocken bin ich schon bei diesem Anblick. Was solls - da muß ich nun durch und die Biester werden schon abhaun. Wende ich lieber meinen Blick ab, auf`s Land und seinem Getummel - als ich plötzlich den Holger erblicke. Welch eine Wiedersehensfreude. Holgi, auch wenn ich in den Kurven schlecht winken oder sonstwas konnte - ich habe mitbekommen, daß Du mich auf der Radstrecke angefeuert hast.



Aber der Reihe nach. 2. Startwelle 14:30 wird zum Schwimm-Check-In gerufen. Ich hatte befürchtet, daß die Zeit zum warmschwimmen knapp werden könnte, also lief ich mich, den Neo auf der Hüfte, ein bischen im Vorstartbereich ein, um den Körper auf Temperatur zu bringen.
Dann gings hinein in die Brühe, und diesmal stellte ich mich nicht ganz hinten an, ok, seitlich schon, aber doch ganz mutig mehr mittenrein, um die Brutschwimmer hintermich zu lassen. Diesmal auch kein "bis 10 zählen" nach dem Startschuß - ich schmeiße mich ins Getümmel, ich kann das doch schon, ich bin doch schon groß ;o) Relativ zügig finde ich eine Lücke, muß ein bischen Pace rausnehmen, da mir der Atem knapp wird. War wohl ein wenig zuviel des Guten - macht nix, ich erhole mich rasch. Schon bald merke ich, wie mir etwas Wasser von oben in die Brille läuft. Na ja, wenns dabei bleibt - denk ich mir... Blieb es nicht. Nach etwa 200 m muß ich die erste Pause einlegen, so eine Sch***e, wenn die Brille einmal ab ist, krieg ich sie doch nie wieder dicht... Brille hoch, Wasser raus, angedrückt, mit dem Gefühl von Matschaugen schwimm ich weiter, vielleicht 20 m, dann bin ich vollblind - verdammt, ist das hier das Ende, nein, ohne Brille geht das doch gar nicht, was mach ich blos. Nochmal anhalten, ganz ruhig, ja, schwimmt doch alle an mir vorbei, klasse, der erste Brustschwimmer, der nächste... so ein Mist. Ok ok, ganz ruhig, durchatmen, Brille komplett runter - dabei fliegt die Badekappe des Veranstalters mit in den See, soll sie doch - vermisst haben sie keinen hinterher ;o). Meine eigene Badkappe, die ich immer drunter habe, nochmal richtig aufgezogen, dank Neoprenanzug hab ich genug Auftrieb, um das alles zu richten. Die Brille ausgekippt, die Ränder nachgezogen, noch ein Versuch, Brille auf, fühlt sich gut an - ja, schwimmt doch alle an mir vorbei, heute wollt ich mal zeigen, daß ich doch nicht so schlecht schwimme, heute wollt ich mich mal trauen, pah, haut doch alle ab. Brille ist dicht - ein Glück, aber durch das Gefummel bin ich ziemlich weit nach rechts abgetrieben und muß erstmal wieder in die richtige Spur. Das alles hat mich, wie ich schätze, so vielleicht 2 min gekostet. Macht nichts, wenigstens ist die Brille jetzt dicht und ich finde schnell wieder meinen Rythmus. Ja, was soll ich sagen, ich habe sogar richtig Spaß am Schwimmen und genieße die zwei Runden im Wasser. Von dem Brillen-Mißgeschick mal abgesehen, hätt ich mir kein schöneres Saisonende vorstellen können. Mit dieser Erinnerung ins winterliche Schwimmtrainig - perfekt. Leider bekomme ich durch die Kälte (18,9°), die ich sonst eher als angenehm empfinde, auf den letzten 100 Schwimmmetern einen Krampf im rechten Unterschenkel, der erst auf dem Rad allmählich wieder verschwindet. Dieser und der blöde Chip am Knöchel behindern mich beim Ausziehen des Neos - ich brauche in der 1. Wechselzone über 2 min, überhaupt haperts so am Zubehör. Auch den Helm bekomme ich nach einer gefühlten Ewigkeit erst geschlossen.
Auf dem Rad gehts gleich mal zur Sache, die ersten 3 km gegen den Wind, die Runde ist 4 x zu fahren, eigentlich eine schöne Strecke, landschaftlich wie städtebaulich - nur der Belag hält sich teilweise in Grenzen. Ich habe aber Spaß, überhole viel und werde selbst nur wenig überholt. Meistens von solchen, die man schon von Weitem hört..... Ein dumpfes sssssssssssssssssssssss ffffcccccccccccccccccchhhhhhhhhhhhhhh - Scheibenräder und Aerohelm (und Knackarsch - höhö).
Meike, Jörn, Viola, Holger, Lutz - das ist total toll, ich bin in einer Stadt, in der ich noch nie war, über 300 km von Zuhause entfernt, und alle feuern mich an. Das hab ich nichtmal zu Haus.
Zweiter Wechsel, Sch**ß gelbe Postkisten, Radschuhe fliegen in die hintere Ecke an den Zaun zum Neoprenanzug, Piranhas aus dem Kasten gegrabbelt, Helm ab, Brille ab, Garmin geschnappt und raus. Gleich am Anfang der Laufstrecke steht Lutz (der Hiddestorfer) und feuert mich an. Ich kann`s gar nicht richtig würdigen, bekomm meinen Garmin nicht drangefummelt, das mach ich ja immer erst, während ich schon laufe. Ich sammle nochmal nen Haufen Frauen ein, so richtig den Überblick bekommt man ja nicht, durch die Rundenlauferei und die Wellenstarts. Ich merke, daß ich noch Reserven hab, aber irgendwie habe ich gar keine Lust, mich jetzt zu schinden. Dies ist der letzte Triathlon für etwa 9 Monate, ich möchte es noch einmal so richtig genießen. Außerdem ist es doch eh Wurscht, ob ich hier Fünfte oder Neunte werde, keine Cup-Wertung, keine heimische Konkurenz, dafür ein schöner See, an dem es entlang geht, freundliche Helfer, La-Ola-Wellen der Zuschauer, ich laufe zwar etwas angestrengt, aber lange, lange nicht am Limit - ich habe unheimlich Spaß! Nach 2:44:31 bin ich im Ziel, die Zeiten im Einzelnen:
Swim: 00:35:59
T1: 00:02;:22
Bike: 01:15:23
T2: 00:01:25
Run: 00:49:24
Platz weibl.: 9 von 22
Platz AK: 2 von 4
Dieser Abschluß ist somit im Prinzip ein Spiegel meiner ersten wunderbaren Triathlon-Saison. Selbst wenn ich mich beim Laufen geschunden hätte, es hätte an der Platzierung nichts, rein gar nichts geändert, denn die 6 Minuten zur Vorplatzierten wären unmöglich. Fazit also: ALLES RICHTIG GEMACHT:
Ich bin wieder - wie immer - eine der Letzten, die ihr Rad aus der Wechselzone holen. Und diesmal passt es auch zur Stimmung, die gut, aber ein klein bischen wehmütig ist. Es war eine tolle Saison. Ich freu mich auf die Dinge, die in diesem Jahr noch kommen, auch auf das spannende Aufbautraining für 2009. Als ich das Foto mache, denke ich an Reinhard Mey und diesen Text:

Die Zeit des Gauklers ist vorbei,
Verklungen Sang, Schnurrpfeiferei,
Verstummt die Laute,
die der Musikant noch in den Händen hält,
Der Tisch verwaist, die Gläser leer,
Das Fest ist aus. Es bleibt nichts mehr,
Als abzugeh‘n, man sagt: Der Narr ist traurig,
wenn der Vorhang fällt.
Und das Fest, das wir endlos wähnen,
Hat doch wie alles seinen Schluß.
Nun, keine Worte und keine Tränen,
Alles kommt, wie‘s kommen muß.

15 Kommentare:

Kerstin hat gesagt…

Herzlichen Glueckwunsch zu einem tollen Saisonausklang!
Die Ausruestungsfragen kriegst du auch noch geklaert und ueberhaupt finde ich es wahnsinnig, wie gut du geworden bist.
Eine Frage haette ich aber noch: Was bedeutet denn die 96?

Anonym hat gesagt…

Zitat:"...gelbe Postkisten, ich mag sie nicht."

Ich auch nicht ! *grins*

Herzlichen Glückwunsch zum Finish, zur ersten Tria-Saison und überhaupt. Ach ja: Danke für den schönen Bericht.
Bis dann in Bärtlich
HIGHOPIE

Der.Lutz hat gesagt…

Hallo meine Liebe :-)
Supertoller Bericht zum Saisonfinale, echt Klasse !
Hat das daumendrücken von mir ja doch geholfen :-)

Anonym hat gesagt…

Hi, Triathletin !

schon spannend, was eine Triathletin so alles erlebt, wenn sie ihrem auserwählten Sport fröhnt ! Und dann diese Brühe, igitt, ich glaube, da wäre ich nicht rein - oder doch ?

Macht Spaß von deiner Freude - auch bei diesem Sport zu lesen !

Viel Glück auch weiterhin auf allen deinen Wegen im Wasser, auf dem Drahtesel oder zu Fuß !!

Blumenmond hat gesagt…

Immer wieder schaffst Du es, mir ne Entenpelle zu verpassen. Neee... schön geschrieben mal wieder. Ich freue mich jetzt schon auf die Berichte in 2009;-)

Anett hat gesagt…

Liebe Kathrin, das war ja ein Saisonabschluss (fast) nach Maß. Glückwunsch zur Platzierung und zur gesamten Saison, einfach gigantisch, was du seit dem letzten Jahr erreicht hast.

Achja, ich freue mich mal wieder auf ein Läufchen mit dir (euch) in der kalten Jahreszeit.

Anonym hat gesagt…

Liebe Kathrin,

auch mich hat es gefreut euch kennen zu lernen. Es war ein sehr schöner Abend und ich konnte viel für mich „mitnehmen“, z. B. auch, dass ich meinen Wettkampf vom Sonntag einfach abhaken kann und als guten Trainingslauf sehe ;o) Wie du siehst, war ich am Sonntag nicht annähernd so erfolgreich wie du und wenn ich das mit den Scheibenrädern *räusper* lese, dann weiß ich, dass ich besser nach Hannover gekommen wäre ;o)

Herzlichen Glückwunsch zum wiederholten Treppchenplatz in der AK und dem erfolgreichen Saisonabschluss. Trotz aller Widrigkeiten hast du auch deinen letzten Triathlon mit Bravour gemeistert, wie ich es vermutet habe.

Viele Grüße
Silke


PS: ….. und ich sag noch, bääähhh da sind doch Fische drin :o)))))

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch, Kathrin!

mich würde auch die Witzbedeutung der 96 interessieren. Ich kenne nur blöde Sprüche (ohne Triathlon oder Startnummer) zur 69.

P. S. Karpfen sind glaub' ich Vegetarier.

Kathrin hat gesagt…

Lizzy und kerstin: Hannover 96 ist für die Hannoveraner halt DER CLUB! Bundesliga sowieso, und auch eine eigene (wohl sehr erfolgreiche) Triathlonabteilung haben sie: http://www.hannover96.de

Und dann komm ich aus EISENHÜTTENSTADT (hehe) und schnappe ihnen DIESE STartnummer weg.

Vielen Dank Euch allen für`s Lesen und natürlich für die Glückwünsche.

Leider zickt meine Wade noch von dem Krampf, habe aber morgen einen Physiotherapie-Termin, der wird`s schon richten - so wie immer!

Hase hat gesagt…

Superstark, du Powerfrau!!

Anonym hat gesagt…

Hey Kathrin, welch Ehre, dass Du Deinen Saisonabschluss in Hannover begangen hast! War wirklich toll Dich wieder zu sehen. Zwischen Deinem ersten HM in Berlin und heute ist eine Menge passiert. Wer Dich kennt, der zweifelt keinen Moment daran, dass Du bald ein Ironwoman sein wirst. Ich wünsch Dir verletzungsfreies Sporteln *aufHolzklop,aufHolzklop,aufHolzklop,*

Anonym hat gesagt…

Schöner Abschlussbericht. Ich finde es immer schade, dass die Triathlonsaison bei uns nur so gut drei Monate dauert. Aber bei Deinem Programm ist das vielleicht gut so. Sonst kämst Du ja gar nicht mehr zum Trainieren :-)
Jedenfalls, guter Wettkampf, super Saison - Auf ein Neues!

Uli

Anonym hat gesagt…

Puh!
Was für eine erste Saison!!!
Die wird ja kaum zu toppen sein ...
Aber wie ich Dich einschätze, wirst Du das dennoch toppen.
Ein großer Gesamt-Glückwunsch,
Andreas

Anonym hat gesagt…

Wow, herzlichen Glückwunsch. Toll geschrieben ist der Bericht, man hat fast das Gefühl live dabei zu sein. Und .. man darf gespannt sein, wie es in 2009 so weitergeht, wenn 2008 schon so ein Supereinstiegsjahr ist/war.

Oli.F. hat gesagt…

super war sie - deine erste triathlon saison!
ich bin beeindruckt wieviel wettkämpfe du mit kosequent hohem niveau abgeliefert hast. aber wie heißt es so schön: wettkampf-km sind die wertvollsten km. insofern bestätigst du diese these ;-)

die fische sind übrigends keine 1,5m lang :-))) (sagt der papa vom fischexperten)